Auswahl von Beratern und Coaches: Auftreten statt Fachwissen

pixabay Gerd Altmann
0

Eine Studie zeigt, nach welchen Kriterien deutsche Unternehmen Consultingfirmen und Coaches auswählen. Dabei zählt Prestige und Auftreten mehr als Fachlichkeit.

Wer heute ein Consultingunternehmen beauftragen möchte, hat die Qual der Wahl. Etwa 20.000 Anbieter stehen im Wettbewerb um zahlungskräftige Kunden – von der großen internationalen Unternehmensberatung bis zum Ein-Mann Start-Up scheint für jeden Geschmack und Geldbeutel etwas dabei zu sein. Der Umsatz der Branche lag im Jahr 2018 bei mehr als 35 Mrd. Euro. Die inhaltliche Bandbreite ist dabei überaus groß. Neben klassischen Unternehmensberatungen tummeln sich unzählige, selbsternannte Coaches bis hin zum Esoterik-Anbieter auf dem Markt. Eine Qualitätskontrolle scheint es nicht zu geben (Kanning, 2019, 2021).

Allein im Bereich des Coachings konkurrieren mehr als 20 Berufsverbände um potentielle Mitglieder und dokumentieren schon durch ihre Vielfalt, dass es keine verbindliche Vorstellung davon gibt, durch welche Merkmale sich seriöse Anbieter von fragwürdigen unterscheiden. Berater ist, wer eine entsprechende Dienstleistung anbietet. Angesichts dieser Situation erscheint es interessant, einmal die Kundenseite nach ihren Kriterien zur Auswahl eines Beratungsunternehmens zu befragen.

Studie bei Entscheidern

Mit Hilfe eines Online-Fragebogen wurden über soziale Netzwerke Entscheidungsträger in Unternehmen zu ihren Kriterien bei der Auswahl von Consultinganbietern befragt. An der Studie beteiligten sich 108 Personen (30 Prozent weiblich, 70 Prozent männlich, Durchschnittsalter 46 Jahre), in deren Unternehmen Beratungsfirmen zum Einsatz kamen. Die durchschnittliche Unternehmensgröße lag bei 16.600 Personen, wobei die Probanden weit über diverse Branchen streuten (von Maschinen- und Anlagebau bis hin zum Öffentlichen Dienst).

In einem ersten Schritt wird untersucht, zu welchen Themen  Beratungsleistungen heute und nach der Einschätzung der Befragten auch in Zukunft eingeholt werden (Abbildung 1). Dargestellt sind die Ergebnisse der sieben wichtigsten Themenfelder. Die Unterschiede zwischen Gegenwart und Zukunft sind statistisch nicht signifikant, sollten daher also nicht inhaltlich interpretiert werden. Die Befunde verdeutlichen die hohe Relevanz von Themen aus dem Bereich Personal und Weiterbildung. Vier der sieben Themenfelder können diesem Bereich zugeordnet werden: Führung, Change-Management, Coaching und Personalentwicklung.

AUTOR(EN)

Franziska Köthe, M.Sc in Wirtschaftspsychologie, Referentin für Organisationsentwicklung bei Robert Bosch

Professor Uwe Peter Kanning, Diplom-Psychologe, Professor für Wirtschaftspsychologie an der Hochschule Osnabrück.

Hinterlasse eine Antwort

Ihre Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.