Videointerviews: Warum Bewerber dabei schlechter abschneiden

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Aufgrund der Corona-Pandemie werden Einstellungsinterviews vor allem per Video durchgeführt. Für die Bewerber hat das jedoch auch Nachteile. Sie schneiden schlechter ab. Grund sind die fehlende soziale Präsenz und weniger Impression Management.

Durch die Kontaktbeschränkungen im Frühjahr des Jahres 2020 mussten sich auch viele Personaler umstellen. Wo technologie-mediierte Interviews (Telefoninterviews, synchrone oder asynchrone Videointerviews) bisher oft nur zur Vorauswahl von Bewerbern genutzt wurden oder wenn eine Anreise sonst zu weit wäre, waren gerade synchrone Videointerviews plötzlich die einzige Möglichkeit, sich „persönlich“ vorzustellen. Doch spätestens seit einer Metaanalyse aus dem Jahr 2016 (Blacksmith, Wilford, & Behrend) weiß man, dass Bewerber in technologie-mediierten Interviews nicht nur durchschnittlich schlechter abschneiden als im Vergleich zum persönlichen Gespräch, sondern diese auch schlechter akzeptieren.

Die Gründe hierfür waren allerdings weitestgehend unbekannt. Bereits vor der Corona-Pandemie haben sich Forscher der Abteilung für Arbeits- und Organisationspsychologie der Universität Ulm daher auf die Suche nach Ursachen für diese Unterschiede gemacht. Die Ergebnisse wurden vor kurzem im Journal of Business and Psychology publiziert.

Schon vor der Corona-Pandemie wurden Videokonferenz-Interviews oder synchrone Videointerviews mit Zoom, Webex oder Skype und anderen Programmen als Ersatz oder Zusatz zum persönlichen Vorstellungsgespräch eingesetzt, vor allem um die Reisezeiten für die Bewerber und die zu erstattenden Reisekosten für die Unternehmen zu reduzieren. Eine stabile Internetverbindung, eine gute Webcam, und schon entsteht eine dem persönlichen Gespräch angenäherte Gesprächssituation – nur mit dem Unterschied, dass sich die Gesprächspartner nicht im gleichen Raum befinden.

Dass diese Gesprächssituation jedoch nicht ganz vergleichbar ist, weiß jeder, der in den letzten Monaten Erfahrungen mit Videokonferenzen gesammelt hat. Entsprechend finden sich relevante Aspekte auch in einschlägigen Theorien. So würde man zum Beispiel laut der Media Richness Theory (Daft & Lengel, 1986) davon ausgehen, dass in beiden Interviewformen die gleichen Kanäle der Informationsübermittlung bedient werden (v…

Dr. Johannes Basch, M.Sc. in Psychologie, Wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung für Arbeits- und Organisationspsychologie an der Universität Ulm und Gesellschafter des HR-Start-ups mindwise